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Französisch-Deutsche Zusammenarbeit in der Gefahrenabwehr
Vertreter der Rettungsdienste und Feuerwehren aus Colmar und Mulhouse haben die Leitstelle in Freiburg besucht

Gestern gab es uniformierten Besuch aus Frankreich in der Integrierten Leitstelle (ILS) Freiburg Breisgau-Hochschwarzwald: Vertreter von Leitstellen der Rettungsdienste und Feuerwehren aus Colmar und Mulhouse kamen in die Eschholzstraße – aus zweierlei Gründen. Zum einen, um die französisch-deutsche Zusammenarbeit in der Gefahrenabwehr zu intensivieren. Zum anderen, um den Besuch der Verantwortlichen aus Deutschland im Februar in Colmar und Mulhouse zu erwidern.

Dem gestrigen Termin vorausgegangen waren bereits diverse Abstimmungen im Tagesbetrieb, denn seit Dezember 2021 wächst hier zusammen, was Seite an Seite gehört. Damals wurde das Deutsch-Französische Abkommen novelliert, das die gegenseitige Unterstützung im Rettungsdienst und bei Feuerwehreinsätzen regelt.

Nun also kam ein knappes Dutzend Vertreterinnen und Vertreter aus dem Department Haut-Rhin herüber, von der Feuerwehr (SIS 68) aus Colmar und vom Rettungsdienst (SAMU 68) aus Mulhouse. In den ILS-Räumen wurden sie von Vertretern des Regierungspräsidiums, der ILS Lörrach, der DRF Luftrettung, dem DRK Landesverband Badisches Rotes Kreuz und der ILS Freiburg Breisgau-Hochschwarzwald begrüßt. Themen des Tages waren die nicht-polizeiliche Gefahrenabwehr in Deutschland und Möglichkeiten der gegenseiten Unterstützung. Schnell erwies sich, dass der persönliche Austausch und das Verstehen der jeweils anderen Arbeitsweisen unabdingbar für eine gute Zusammenarbeit sind.

Wichtigstes Gesprächsthema war die neu geschaffene Möglichkeit der Einsatzübergabe zwischen Leitstellen über die Grenze hinweg. Dazu gibt es bereits erste Erfahrungen durch Echteinsätze. Einmal wurde ein Rettungshubschrauber für eine Verlegung angefordert, einmal ein französischer Rettungswagen in Ihringen eingesetzt.

Seit März testen die Leitstellen im Elsass und in Südbaden (Freiburg/Breisgau-Hochschwarzwald bzw. Lörrach) die Übergabe von Einsätzen mehrfach pro Woche. Dank neuer, zweisprachiger Übergabeformulare läuft die Kommunikation zwischen den Leitstellen deutlich rascher. Beim gestrigen Termin wurden weitere Digitalisierungsschritte besprochen und auf den Weg gebracht. Diese Dokumente und Formulare sind Ergebnisse der Arbeitsgruppe in der Oberrheinkonferenz. Auf deutscher Seite wurden sie mit der Hilfe mehrerer Leitstellen, des DRK Landesverband Badisches Rotes Kreuz, der Regierungspräsidien Freiburg und Karlsruhe und der ILS Landau entwickelt. Aus Frankreich waren die Fachdienste der Departments 67 Bas-Rhin und 68 Haut-Rhin beteiligt.

Der gute Wille ist also da, die Hürden sind es aber auch, weil sich die Rettungsdienste in Frankreich und Deutschland grundsätzlich unterscheiden. In Frankreich gibt es zwei parallele Dienstsysteme, die teils miteinander konkurrieren. Auch der Betrieb in der Leitstelle läuft anders: Der SAMU (Service d’Aide Médicale Urgente) bearbeitet nur medizinische Anliegen und Notfälle; er ist in der Leitstelle mit Ärzten besetzt, die am Telefon beraten und über die Notwendigkeit eines Einsatzes entscheiden. In Baden-Württemberg werden Notarzt und Rettungsdienst nach einheitlichem Indikationskatalog zum Patienten entsendet, es gibt keine Ärzte in den Leitstellen.
 
Eintrag vom: 02.07.2022  




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