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Sozialplanung für Ältere
Freiburg stellt sich bei Angebotsplanung bis 2030 auf deutlich steigende Bedarfe ein
Ausbaupläne vor allem bei Wohnen und Pflege

Für jede Kommune ist Sozialplanung für Ältere eine wichtige Aufgabe. Auch in Freiburg wird sie in den nächsten Jahren stark an Bedeutung zunehmen, wie Erster Bürgermeister Ulrich von Kirchbach heute auf einer Pressekonferenz betonte. Als Beleg für diese steigende Bedeutung führte er drei Prognosen an:

38.789 Menschen, die heute in Freiburg leben, sind 65 Jahr oderälter. Bis zum Jahr 2030 wird ihre Zahl auf rund 45.000 steigen. Ähnlich rasant entwickelt sich der Anteil der Über-85-Jährigen in Freiburg. Heute sind es 5.743 Menschen, im Jahr 2030 werden es rund 6.600 sein.
Drittens steigt im hohen Alter auch das Risiko, pflegebedürftig zu werden. Derzeit erhalten in Freiburg 7.299 Personen Leistungen der Pflegeversicherung; drei Viertel davon (5.355 Personen) werden zu Hause gepflegt, ein Viertel lebt im Pflegeheim (1.944). Für das Jahr 2030 hat das Amt für Bürgerservice und Informationsmanagement 8.039 Menschen mit Pflegebedarf vorausberechnet.

Ziel jeder Sozialplanung für Ältere ist es nun, Menschen im Alter und auch bei Pflegebedarf die Möglichkeit zu geben, möglichst lange in den eigenen vier Wänden oder in der vertrauten Wohnung verbleiben zu können. Dafür erarbeitet die Stadtverwaltung inhaltliche und strategische Ziele, um ein gelingendes Älterwerden in den Freiburger Stadtteilen zu ermöglichen. Ihre Bemühungen fließen in den umfassenden Bericht „Sozialplanung für Ältere inkl. Fortsetzungstationäre Pflegeheimplanung“ (Drucksache G-21/066) ein, den das städtische Seniorenbüro mit Pflegestützpunkt erstellt hat. Am nächsten Dienstag, 29. Juni, wird er im Gemeinderat diskutiert und verabschiedet.

EBM von Kirchbach betonte: „Mit dem Bericht wollen wir die derzeitige Situation für Ältere und Menschen mit Pflegebedarf aufzeigen, welche Angebote schon vorhanden sind und wo wir nachbessern müssen und wollen. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Barrierefreiheit in der Wohnung und im öffentlichen Raum. Und dass die Angebote der allgemeinen Grundversorgung, im Gesundheits- und im Pflegebereich wohnortnah sind.“ Zudem schätzt der Bericht diverse Bedarfe ein, etwa nach wohnortnahen Begegnungs- und Beratungsmöglichkeiten, nach bezahlbarem Wohnraum für Ältere und nach Angeboten für unterschiedliche Zielgruppen, etwa für jüngere Menschen mit Pflegebedarf oder für Menschen mit Demenz.

Laut dem Bericht befinden sich derzeit 19 Begegnungsstätten für Ältere, 26 Wohnanlagen, 34 Pflegedienste und 23 Pflegeheime in Freiburg. Wie von Kirchbach hervorhob, ist aber nicht nur deren Zahl entscheidend, sondern auch ihre Verteilung über das Stadtgebiet: „Nur das sichert einen einfachen Zugang zu Hilfen und dadurch den Verbleib in der Wohnung. Außerdem können Begegnungsangebote der Einsamkeit im Alter vorbeugen.“

Steigt die Zahl von älteren Menschen, so steigt auch der Bedarf an seniorengerechten und betreuten Wohnungen. Bei über 300 geförderten Wohnungen in Seniorenwohnanlagen laufen bis 2030 die Bindungen für die Landeswohnraumförderung aus. Um bezahlbaren Wohnraum zu erhalten, sollen deshalb bestehende Bindungen erhalten und verlängert werden.

Der geplante Ausbau auf über 50 planbare Kurzzeitpflegeplätze bis 2030 soll Entlastung im Pflegealltag bringen. Pflegende Angehörige können sich diese Plätze frühzeitig für eine Auszeit reservieren. Auch der geplante Ausbau stationärer Pflegeplätze wird von der Stadt befürwortet. Ein mögliches Überangebot über die bestehenden Planungen hinaus sieht von Kirchbach skeptisch: „Kapazitätsprobleme sind hier wohl nicht auf fehlende Plätze zurück zu führen, sondern auf fehlendes Pflegepersonal.“

Boris Gourdial, Leiter des Amtes für Soziales und Senioren, wies darauf hin, dass sein Amt im Rahmen der Sozialplanung in regem Austausch mit anderen Ämtern sei, darunter dem Referat für bezahlbares Wohnen und dem Stadtplanungsamt. Bei der Entstehung eines neuen Stadtteils wie Dietenbach berät das Seniorenbüro mit Pflegestützpunkt die Stadtplanung über erforderliche Angebote und geeignete Standorte. Hauptaufgabe des neunköpfigen Teams im Seniorenbüro unter Leitung von Anja Schwab ist aber die Beratung älterer Menschen und ihrer Angehörigen, u.a. über Begegnungsangebote, über Hilfen zu Hause und bei der Suche nach einem Pflegeplatz.
 
Eintrag vom: 23.06.2021  




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